"Ich müsste öfter Nein sagen können“
„Ich müsste öfter Nein sagen können“
Warum Nein sagen so schwerfällt - und was man dagegen tun kann
Diesen Satz höre ich in meiner Praxis immer wieder.
Die Einladung zum Geburtstag.
Die zusätzliche Aufgabe im Büro.
Die Bitte der Nachbarin.
Der Gefallen für einen Freund.
Innerlich ist uns die Antwort sonnenklar - und trotzdem hören wir uns sagen:
"Ja, ich mache das."
Danach ärgern wir uns über uns selbst.
Nein.
Es ist eines der ersten Wörter, die Kinder lernen.
Und wahrscheinlich das Wort, das Eltern am häufigsten hören.
Kinder haben damit kein Problem.
Sie sagen Nein, wenn sie Nein meinen.
Irgendwann ändert es sich: aus einem klaren Nein wird ein höfliches Ja.
Das Problem ist selten das Nein.
Nein sagen fällt den meisten Menschen gar nicht grundsätzlich schwer.
Schwierig wird es bei Menschen, die uns wichtig sind:
Beim Partner. Bei Freunden. In der Familie. Bei Kollegen.
Was passiert in Ihrem Kopf?
Vielleicht kennen Sie solche Gedanken:
- Ich darf niemanden enttäuschen.
- Ich muss meinen Freunden helfen.
- Der/die mag mich nicht mehr, wenn ich ablehne.
- Wenn ich Nein sage, bin ich egoistisch.
Eine kleine Trockenübung
Wenn Ihnen ein klares Nein schwerfällt, sagen Sie bei der nächsten Anfrage einfach:
„Gerne. Morgen."
Oder:
„Ich denke kurz darüber nach und gebe dir später Bescheid."
Jetzt beginnt das Experiment:
Achten Sie zuerst auf Ihre Gedanken.
„Jetzt ist er bestimmt beleidigt."
Beobachten Sie anschließend den anderen.
Reagiert er wirklich so, wie Sie es erwartet haben?
Oder spielte sich alles nur in Ihrem Kopf ab?
Warum sage ich Ja, obwohl ich Nein meine?
„Ich darf niemanden enttäuschen."
Nicht das Nein ist das Problem, sondern das Müssen dahinter.
Fragen Sie sich:
Wo steht das geschrieben?
Gibt es irgendwo ein Gesetz, dass Sie jede Bitte erfüllen müssen?
Oder haben Sie sich diese Regel irgendwann selbst auferlegt?
Die eigentliche Freiheit
Immer nur Nein zu sagen soll natürlich nicht das Ziel sein.
Das Ziel ist vielmehr, nicht mehr automatisch Ja zu sagen.
Halten Sie einen Moment inne und fragen Sie sich:
Will ich das wirklich?
Genau in diesem kurzen Moment entsteht Freiheit.
Nicht die Freiheit, immer Nein zu sagen.
Sondern die Freiheit, wieder selbst zu entscheiden.
Aus einem automatischen Ja wird wieder eine bewusste Entscheidung.
Fazit
Ein Nein zu einer Bitte ist kein Nein zu einem Menschen.
Sie müssen nicht lernen, häufiger Nein zu sagen.
Aus einem automatischen Ja darf wieder eine bewusste Entscheidung werden.
Ein ehrliches Nein ist wertvoller als ein unehrliches Ja.
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