Muss ich wirklich einfach positiv denken?

Margit E. Flierl • 28. Juni 2026

Muss ich wirklich einfach positiv denken?

Positives Denken ist kein Ziel. Realistisches Denken schon.

"Das wird schon wieder. Du musst einfach positiv denken."


Ein gut gemeinter Rat.

Und vermutlich einer der nutzlosesten Ratschläge, die Menschen mit Angst, Panik, Depression, Burnout oder in einer Lebenskrise hören können.


Mal ehrlich:

Wenn positives Denken so wirkungsvoll wäre – warum leiden dann überhaupt noch Menschen unter psychischen Belastungen oder schwierigen Lebenssituationen?


Positives Denken klingt gut. Funktioniert aber oft nicht.


Stellen Sie sich vor, Sie leben seit Wochen in einer belastenden Situation.

Jemand sagt zu Ihnen: „Du musst einfach nur positiv denken.“

Oder Sie haben eine Panikattacke: „Du brauchst keine Angst haben.“

Oder Sie sind depressiv: „Lächele doch einfach mal wieder.“


Klingt absurd?

Genau so fühlen sich die Betroffenen. Nicht weil der Ratschlag böse gemeint wäre.

Sondern weil er an der eigentlichen Ursache vorbeigeht und vor allem keinen Lösungsweg anbietet.

Hand aufs Herz: Wie oft hat positives Denken wirklich funktioniert?

Vielleicht kennen Sie das.

Sie versuchen, einen belastenden Gedanken durch einen positiven zu ersetzen.


Doch tief im Inneren meldet sich sofort eine Stimme:

„Das stimmt doch gar nicht.“

Der ursprüngliche Gedanke ist noch da.


Jetzt kommt oft noch der zweite Gedanke hinzu: "Warum schaffe ich nicht einmal das?"

Und schon dreht sich die Gedankenspirale weiter.


Genau deshalb funktioniert positives Denken so selten.

Es ist ein bisschen so, als würden Sie nachts pfeifend über einen Friedhof gehen.

Das Pfeifen mag für einen Moment beruhigen.

Der Friedhof – und das ungute Gefühl im Bauch – sind trotzdem noch da.


Der ursprüngliche Gedanke bleibt derselbe.

Positives Denken versucht, einen belastenden Gedanken durch einen positiven Gedanken zu ersetzen.

Die eigentliche Überzeugung wird dadurch nicht verändert.


Nehmen wir einen typischen Gedanken: „Das macht man nicht.“

Wie wollen Sie diesen Gedanken allein durch positives Denken verändern?

Positives Denken würde heißen: "Doch, das kann man schon machen."

Aber Sie merken sofort: Sie glauben sich diesen Gedanken selbst nicht.


Viel interessanter ist deshalb eine andere Frage:

Wer ist eigentlich „man“? Wo steht geschrieben, dass "man" das nicht macht?


Und selbst wenn viele Menschen so denken sollten:

Hilft Ihnen dieser Gedanke dabei, so zu leben, wie Sie leben möchten?


Der eigentliche Schritt besteht darin, den Gedanken zu hinterfragen.

Erst wenn wir beginnen, solche Gedanken zu hinterfragen, entsteht Raum für neue, realistischere und häufig auch positivere Sichtweisen.


Genau das macht die kognitive Verhaltenstherapie.

In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es nicht darum, Gedanken schönzureden oder Situationen zu verharmlosen. Es geht darum, sie zu hinterfragen.


Wenn Sie im Gedankenkarussell feststecken, können Ihnen drei einfache Fragen helfen:

  • Ist mein Gedanke logisch?
  • Ist mein Gedanke empirisch nachweisbar?
  • Hilft mir dieser Gedanke dabei, so zu leben, wie ich leben möchte – oder hält er die Gedankenspirale nur weiter am Laufen?

Gedanken, die diesen Fragen nicht standhalten, verlieren ihre Überzeugungskraft.

Nicht weil der Therapeut sie widerlegt. Sondern weil Sie selbst erkennen, dass sie Ihnen weder logisch erscheinen noch hilfreich sind.


Positives Denken kann das Ergebnis sein.

Positives Denken kann durchaus hilfreich sein.


Allerdings meistens am Ende eines Denkprozesses – nicht am Anfang.

Wenn irrationale Gedanken hinterfragt werden, entstehen realistischere Sichtweisen ganz von selbst. Sie fühlen sich glaubwürdig an. Nicht weil Sie sich etwas eingeredet haben.

Sondern weil Sie selbst zu einer anderen Einschätzung gekommen sind.


Müssen Sie also positiv denken?

Nein.

Sie müssen sich nichts schönreden.

Aber Sie dürfen lernen, Ihre Gedanken zu hinterfragen.

Manchmal ist genau das der erste Schritt zu mehr Gelassenheit, innerer Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.


Wenn belastende Gedanken Ihren Alltag bestimmen und Sie lernen möchten, anders mit ihnen umzugehen, sprechen Sie mich gerne an. Tel./WA 0176 7672 5936 oder Kontaktformular.


Sie suchen Unterstützung im Raum Nürnberg?

In meiner Praxis im Nürnberger Süden begleite ich Menschen aus Nürnberg, Schwabach, Wendelstein, Roth und der gesamten Metropolregion dabei, belastende Gedanken zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln.


Links: kognitive Verhaltenstherapie, Depression, Angst